Die Frühlingsboten kehren zurück

Schwalbennester sind geschützt – NABU informiert Handwerksbetriebe

Rauchschwalbe brütet auf Netz (Foto: Markus Janz)
Rauchschwalbe brütet auf Netz (Foto: Markus Janz)

In diesen Tagen kehren Rauch- und Mehlschwalben aus ihrem Winterquartier in Afrika zurück, um hier während der warmen Jahreszeit zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen. Sie fliegen 10.000 km weit, überqueren Wüsten, Gebirge und das Mittelmeer, um in ihr eigenes, selbstgemauertes Nest zurückzukehren. Und das über viele Jahre – vorausgesetzt, sie überstehen die vielen Gefahren auf dem langen Zugweg und ihr Nest ist bei ihrer Ankunft noch da. Doch leider werden immer wieder Schwalbennester von den Hauswänden entfernt – obwohl es laut Bundesnaturschutzgesetz verboten ist und eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Während der Brutzeit, wenn Eier oder Jungvögel dabei zu Schaden kommen, ist es gemäß Tierschutzgesetz sogar ein Straftatbestand. Das Gesetz schützt übrigens auch andere Tierarten und ihre Quartiere, wie zum Beispiel Fledermäuse, Mauersegler, Turmfalken, Eulen oder Dohlen.


Bauherren und Handwerker müssen daher die Gebäude vor Beginn von Bauarbeiten sorgfältig untersuchen bzw. untersuchen lassen, ob Gebäudebrüter oder Fledermäuse von den Bauaktivitäten betroffen sind. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass diese Lebensstätten ganzjährig geschützt sind und bei Baumaßnahmen erhalten werden müssen.“, erklärt Tanja Frischgesell vom NABU Holzminden. „Daher möchten wir gerade Dachdecker, Maler und Gerüstbauer für das Thema sensibilisieren.“


Die entsprechenden Firmen im Landkreis haben eine E-Mail von Britta Raabe, Leiterin der NABU-Regionalgeschäftsstelle Weserbergland, erhalten. „Dämmung und Sanierung von Häusern sind selbstverständlich notwendig. Aber gerade Schwalben und Mauersegler sind in den letzten 20 Jahren immer weniger geworden. Wir möchten nicht nur über die rechtliche Situation aufklären, sondern bei Problemen auch Lösungen anbieten.“, so Britta Raabe.


Im E-Mail-Anhang befindet sich daher der „Leitfaden für den Schwalbenschutz“. Darin ist auch eine Bauanleitung für ein sogenanntes Kotbrett enthalten, das 50 – 90 cm unter Mehlschwalbennestern angebracht werden kann, um eine Verschmutzung des Gehweges oder der Fassade zu verhindern. Manche Hausbesitzer oder Mieter stört der Dreck der Schwalben und sie schlagen trotz Verbots deren Nester ab, spannen Drähte oder Flatterband unter dem Dachüberstand, um die Vögel am erneuten Nestbau zu hindern. Dabei ist der Schwalben-„Guano“ wertvoller Pflanzendünger und
die Vögel fangen jede Menge für den Menschen lästige Insekten – etwa 80% ihrer Nahrung besteht aus Mücken, Fliegen und Blattläusen. Mit ein bisschen Toleranz gegenüber dem Dreck wird man außerdem mit einem Naturerlebnis in unmittelbarer Nähe belohnt, wenn die eleganten Flieger am Haus ihre Jungen aufziehen.  

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nabu_leitfaden_schwalben_willkommen.pdf
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Es stand am 30.07.2015 im "Täglichen Anzeiger Holzminden" (TAH):

Schwalben sind bei den Kindern im „Kobel“ herzlich willkommen

NABU verleiht Plakette an den Kindergarten in Mühlenberg / Auch Tipps zum Schutz der Schwalben gibt’s beim NABU

Laura erhält von Gerhard Hasse die Urkunde "Schwalben willkommen"
Foto: Ulrich Frischgesell

„Wir müssen ganz leise sein, wenn wir zu den Schwalben gehen.“, sagt Luca zu den Erwachsenen vom NABU Holzminden, die zu Besuch im Kindergarten sind. So wie Luca wissen auch die anderen Kinder aus der Wölfi-Gruppe bestens Bescheid über „ihre“ Rauchschwalben, die in dem leerstehenden Nebengebäude brüten.
Der Kindergarten „Kobel & Co.“ in Mühlenberg ist eine Außenstelle des Heilpädagogischen Zentrums der Lebenshilfe Holzminden. Hier lernen die Kinder in und von der Natur, nicht nur im schön gestalteten Garten mit Kräuterspirale, Außenküche mit Feuerstelle und vielem mehr, sondern vor allem im angrenzenden Wald. Alles, was hier wächst, krabbelt, läuft und fliegt ist natürlich besonders interessant.
Im Winter konnten die Kinder während der Frühstückszeit den Vögeln draußen am Futtersilo bei ihrem „Frühstück“ zusehen und lernten so Blaumeise, Kohlmeise, Kleiber und andere Vogelarten kennen. Auch den Sperber, dessen Auftauchen draußen und drinnen für Aufregung sorgte – obwohl er ja nur kam, weil er ebenfalls Hunger hatte.


Im Frühling zogen dann erstmals Rauchschwalben in einem offenen Nebengebäude auf dem Gelände des Kindergartens ein. Jahrelang hatte es sich darin ein Steinmarder bequem gemacht, daher hatten sich die Schwalben nicht getraut dort zu brüten. Kaum war er ausgezogen, begannen mehrere Schwalbenpaare mit dem Nestbau und die Kinder gingen täglich auf Beobachtungsstation. Sie merkten sich die Größe, die Farben des Gefieders und die Besonderheiten, damit sie viele Schwalben malen und basteln konnten. Mit Hilfe von Bestimmungsbüchern lernten sie noch mehr zum Thema und erstellten sogar eine Dokumentation, die jetzt im Eingangsbereich des Kindergartens hängt.

Foto: Ulrich Frischgesell
Die Kinder der Wölfi-Gruppe mit ihren Betreuern Birgit-Malz-Menken, Erwin Beier, Patricia Diekmann und Philipp Pachel sowie Tanja Frischgesell und Gerhard Hasse vom NABU Holzminden nach der Verleihung der Plakette "Schwalben willkommen"

Danach fragten sie beim NABU Holzminden, ob sie eine Plakette bekommen können, die an Menschen in ganz Niedersachsen verliehen wird, bei denen Schwalben willkommen sind. Nachdem Laura stellvertretend für die ganze Wölfi-Gruppe Urkunde und Plakette entgegen genommen hat, beantworten die Kinder mit Begeisterung viele Fragen: Feli, Luca, Jonas, Laura, Robin, Letizia, Leonie und Emely kennen die Unterschiede zwischen Rauch- und Mehlschwalben und wissen, dass Schwalben fliegende Insekten fangen und in der kalten Jahreszeit nicht da sind, weil es dann hier keine Nahrung für sie gibt.


Die Kinder können allerdings nicht verstehen, dass viele Leute keine Schwalben am Haus haben möchten und sogar ihre Nester entfernen – obwohl das gesetzlich verboten ist. Dabei lassen sich Verschmutzungen durch das Anbringen von sogenannten Kotbrettern in einigem Abstand unter den Nestern oft sehr gut verhindern. Im „Kobel“ sind solche Bretter schon geplant, allerdings erst für den Herbst, wenn die Schwalben nicht mehr da sind.

 

Seit 2013 wirbt der NABU Niedersachsen mit dem Projekt „Schwalben willkommen“ für mehr Toleranz im Umgang mit den gefiederten Mitbewohnern, die sich so eng an die Menschen angeschlossen haben und früher als Frühlingsboten und Glücksbringer begrüßt wurden. Mittlerweile sind Schutzmaßnahmen dringend erforderlich: Seit 1965 ist die Zahl der Mehlschwalben, die in Niedersachsen brüten, um 20 Prozent zurückgegangen und die der Mauersegler, die oft mit Schwalben verwechselt werden und auf Nischen in Gebäuden angewiesen sind, sogar um 45 Prozent. Am schlimmsten hat es die Rauchschwalbe getroffen, hier beträgt der Rückgang 75 Prozent! Das liegt vor allem an den Veränderungen in der Viehhaltung und der Intensivierung der Landwirtschaft. Doch auch die Privatgärten haben sich stark verändert. Der Trend geht leider immer noch zu immergrünen Gehölzen und exotischen Pflanzen, von denen keine Insekten leben können, die die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse sind. Dabei sind heimische Sträucher und Pflanzen mindestens genauso schön und vor allem besser an Klima und Bodenverhältnisse angepasst. Jeder kann im eigenen Garten oder auf dem Balkon etwas für mehr Natur im Siedlungsbereich tun und damit den Schwalben helfen.


Weitere Tipps zum Umgang mit Schwalben gibt es im neu erschienenen „Leitfaden für den Schwalbenschutz“ des NABU Niedersachsen. Darin sind auch Anregungen für Kindergruppen und Schulklassen enthalten, daher bekommt der Kindergarten in Mühlenberg ebenfalls ein Exemplar überreicht. Die Vertreter des NABU Holzminden erhalten als Dankeschön von den Kindern selbstgemachte Marmelade aus Walderdbeeren.


Erschienen im Täglichen Anzeiger Holzminden (TAH) am 22.07.2014

Geflügelte Sommergäste

sind bei Familie Bossow willkommen

NABU Holzminden zeichnet Schwalbenfreundliches Haus aus

von Jürgen Bommer

Foto: Jürgen Bommer
Foto: Jürgen Bommer

Es ist schon ein festes Ritual auf dem Hof der Familie Bossow  in Pegestorf. Spätestens am 6. April muss der obere Flügel des hölzernen Scheunentores geöffnet sein, denn von da an fliegen sie ein, die gefiederten Sommergäste. Eine Rauchschwalbe nach der anderen kehrt heim und besetzt ihr altes Nest in der Scheune oder baut neu. Und dabei müssen sie sich beeilen, denn bei Familie Bossow fühlen sich nicht nur die Rauchschwalben wohl, auch die kurze Zeit später eintreffenden Mehlschwalben brüten immer häufiger entgegen ihrer eigentlichen Gewohnheit im Stall anstatt an der Fassade des Bio-Hofes.

Foto: Jürgen Bommer
Foto: Jürgen Bommer

Vier Generationen wohnen auf dem Hof der Familie Bossow in Pegestorf und schon immer waren ihnen ihre geflügelten Untermieter herzlich willkommen. „Als wir noch die Rinder hatten, gab es viele Fliegen auf dem Hof. Spätestens wenn die Schwalben kamen, konnte man zusehen wie sie weniger wurden“ berichtet Großmutter Bossow. Und auch wenn es heute weniger Fliegen, und leider auch weniger Schwalben gibt, erfreuen sich alle Mitglieder der Familie immer wieder am regen Treiben auf dem Hof und in der Scheune. 18 Nester werden momentan in ihrer Scheune von Rauch- und Mehlschwalben bebrütet. Jetzt konnte die Familie für ihre Duldung der nützlichen Glücksboten eine Würdigung des  NABU Holzminden entgegen nehmen. Die NABU- Vorstandsmitglieder Stefan Jacob und Gerhard Hasse überreichten der Familie eine Urkunde und eine Plakette, die ihren Hof als Schwalbenfreundliches Haus ausweist.

Foto: Jürgen Bommer
Foto: Jürgen Bommer

Bereits in den Vorjahren konnte der NABU Holzminden mehrere Hausbesitzer für ihr Engagement für unsere heimischen Schwalben auszeichnen. Denn immer häu- figer leiden die Zugvögel unter der Beeinträchtigung ihrer Lebensräume. Die Versiegelung von Flächen und Feld- wegen sowie das Fehlen von lehmigem Boden erschweren ihnen den Nestbau, moderne Fassaden und die Hygienevorschriften der intensiven Landwirtschaft rauben ihnen Brutmöglichkeiten, Insekten als Nahrungsquelle fallen weg.

Mit der Kampagne „Schwalben willkommen“ möchte der NABU die Akzeptanz für die Vorboten des Sommers erhöhen. „Wir sind jedem Hausbesitzer dankbar, der Nistmöglichkeiten für Schwalben schafft oder erhält“ versichert Gerhard Hasse. Und wer das tut, kann die Plakette „Hier sind Schwalben willkommen" beantragen: Einfach eine E-Mail an info@NABU-Holzminden.de schicken.
Familie Bossow jedenfalls freut sich jedes Jahr wieder auf ihre wenig scheuen Hausgäste und gewährt ihnen gerne Unterkunft.