Neues vom Heidbrink

von Stefanie Beyer und Heiko Niehaus

Die NABU-Fläche am Heidbrink ist in mehreren Rundbriefen vorgestellt worden. Sie ist Teil des Naturschutzgebietes „In den Eichen“ und wird seit 2005 vom NABU  Holz- minden betreut. Die Fläche, Teil einer ehe- maligen Kiesabgrabung, liegt in direkter Nachbar-schaft zur Weser am Weserradweg. In den Jahren 2005/06 und 2010 wurden hier einige Renatuierungsmaßnahmen durchgeführt, wie beispielsweise die Reaktivierung einer ehemaligen Flutrinne und die Anlage von Kleingewässern. Ziel ist eine eigendynamische Entwicklung bis hin zum Auwald.

Seit Anfang 2013 sind wir als Gebietsbetreuer regelmäßig vor Ort, um zu doku- mentieren, welche Tierarten in der NABU-Fläche, kurz Flutmulde, im Jahresverlauf vorkommen. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, in dem möglichst wenig Störung entstehen sollte, werden die Beobachtungen in der Regel vom Rande des Gebietes durchgeführt, nur für notwendige Pflegemaßnahmen oder die Erfassung von Pflanzen- und Amphibienarten wird die Flutmulde gelegentlich betreten. Häufig vor Ort zu sein, bedeutet aber nicht nur einen Überblick über den Artenbestand zu bekommen, es werden auch bestehende Probleme deutlich.

Die Flutmulde kann als ein wichtiger Bestandteil des NSG „In den Eichen“ betrach- tet werden. Während an und auf den großen Kiesteichen und der Weser vor- wiegend Wasservögel und typische Waldtiere vorkommen, werden von den Klein- gewässern und sandigen Flächen in der Flutmulde verschiedene Limikolen und Kleinvögel sowie Amphibien- und Insektenarten angezogen. Eine Besonderheit dieser Fläche ist, dass sie des Öfteren vom Hochwasser überschwemmt wird, was immer wieder für Veränderungen sorgt. Zudem sind selbst im Sommer in der Regel noch kleine Gewässer- und Schlammflächen vorhanden, die von Limikolen, Amphibien und Libellen genutzt werden.

Vögel

Insbesondere im Frühling 2013 zeigte sich die Bedeutung der NABU-Fläche als Rastgebiet für die Durchzügler. So konnten von März bis Mai beispielsweise Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Gartenrotschwanz und Steinschmätzer beobachtet werden. Aber auch im Sommer und Frühherbst waren immer wieder für kurze Zeit Besonderheiten anzutreffen, darunter Kiebitz, Bruchwasserläufer, Alpenstrandläufer, Grünschenkel und zwei Bekassinen (Vogel des Jahres 2013). Zu den häufiger anzutreffenden Nahrungsgästen in der Flutmulde gehörten unter anderem der Schwarzstorch und mehrere Waldwasserläufer. Einen Brutversuch gab es bei den Flussregenpfeifern. Allerdings ist nicht ganz klar, ob sie die Brut auch wirklich beenden konnten, bevor das unerwartete Hochwasser Ende Mai die NABU-Fläche überschwemmte. Die breite, dichte Hecke entlang des Radweges wird von vielen Vögeln, beispielsweise der Dorngrasmücke, als Versteck- und Nistplatz genutzt. Auch war im Frühsommer im Bereich der Flutmulde und an der Weser der Gesang von mehreren Sumpfrohrsängern und Feldschwirlen zu hören. Insgesamt konnten im Jahr 2013 in der NABU-Fläche 53 Vogelarten beobachtet werden

Insekten

Neben den Vögeln wird die NABU-Fläche am Heidbrink auch von verschiedenen Insektenarten genutzt. Besonders auffällig war die hohe Anzahl an Dünen-Sandlaufkäfern, die im Sommer auf den Sandflächen umherliefen und deren Larven in ihren Röhren auf Beute warteten. Bezüglich der Schmetterlinge konnten unter anderem der Kleine Feuerfalter, die Goldene Acht, der Schachbrettfalter und der Faulbaumbläuling beobachtet werden. Im Spätsommer schwirrten dutzende Libellen in der Flutmulde herum und nutzten die Kleingewässer zur Eiablage. Zu den bestimmten Arten gehören der Große Blaupfeil, die Große Königslibelle, die Westliche Keiljungfer, Becherjungfer und Pechlibelle. Eine kleine Besonderheit ist die Beobachtung der Pokaljungfer, die sich immer weiter nach Norden ausbreitet.

Amphibien und Reptilien

Zu den vorkommenden Amphibien zählen der Grasfrosch, der Teichfrosch sowie der Teichmolch. In den kleinen Tümpeln waren im Mai viele Kaulquappen, vermutlich von der Erdkröte, zu finden. Entlang des Radweges waren zudem des Öfteren Zauneidechsen beim Sonnenbad zu sehen.

Zauneidechse (Foto: Stefanie Beyer)
Zauneidechse (Foto: Stefanie Beyer)
Teichfrosch (Foto: Stefanie Beyer)
Teichfrosch (Foto: Stefanie Beyer)

Vegetation

Erwartungsgemäß nimmt die Vegetation in der Flutmulde allmählich zu und wird auf längere Sicht zu einer Veränderung der Artvorkommen führen. Derzeit gibt es aber noch einen deutlichen Unterschied zwischen den ausgebaggerten Senken, in denen die Vegetation recht spärlich wächst, und den höher gelegenen Bereichen, auf denen im Sommer Hochstauden wie Disteln und Brennnesseln einen dichten Bewuchs bilden. Die nach der Renaturierung gepflanzten Gehölze entwickeln sich positiv und werden langsam durch wilde Sämlinge ergänzt. Besonders beeindruckend ist auch die breite Wildhecke entlang des Radweges, die einen guten Schutz vor Störungen darstellt und im Herbst sicherlich eine wichtige Nahrungsquelle für alle „Beerenfresser“ bietet. Zu den besonderen Pflanzenarten im Gebiet zählen die Wasserfeder und das Spießblättriges Tännelkraut, die Karsten Dörfer im Herbst entdecken konnte.

Negative Beobachtungen

Neben den erfreulichen Beobachtungen gibt es jedoch immer wieder Ärgernisse, sei es ein Quad, das quer durch das Naturschutzgebiet fährt, ein zu tief fliegender Gyrokopter oder auch verbotenes Baden. Ein größeres Problem stellte das häufige Betreten der NABU-Fläche durch Unbefugte und die damit einher gehende Störung dar. Dazu kam noch die Anpflanzung nicht heimischer Pflanzen. Durch eine neue Beschilderung und das Verschließen eines Trampelpfades mit Unterstützung des Försters haben wir nun versucht diesem Problem entgegen zu wirken. Besonders ärgerlich war es auch, dass viele der gepflanzten Schwarzpappeln abgeknickt wurden, vermutlich von Menschenhand. Der Schaden war aber gering, da die Bäume gleich wieder neue Seitentriebe bildeten und nur die alten Leittriebe zurückgeschnitten werden mussten. Auch wurde bislang immer ein sehr breiter Streifen entlang des Radweges gemäht, sodass auch die Wildhecke in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im nächsten Jahr soll aber verstärkt darauf geachtet werden, dass der Mähstreifen reduziert wird. Ein weiteres, wenn auch weitverbreitetes Problem ist die Ausbreitung des Drüsigen Springkrautes, das auch in der Flutmulde große, dichte Herde bildet. Ob man dem dauerhaft entgegen wirken kann, ist jedoch fraglich, da mit jedem Hochwasser neue Samen eingeschwemmt werden können.

Doch auch, wenn man sich manchmal ärgern muss, letztlich macht es doch sehr viel Spaß, regelmäßig vor Ort zu sein und immer wieder Neues zu entdecken. Die Beobachtungen zu dokumentieren kann sogar etwas süchtig machen und es gibt viele Dinge, die man ganz automatisch dazu lernt, beispielsweise die verschiedenen Vogelarten anhand ihres Gesanges zu erkennen. Natürlich kann man nicht nur an der Flutmulde tolle Beobachtungen machen, es gibt noch viele weitere NABU-Gebiete, bei denen sich ein genauer Blick lohnt. Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, selbst auf Beobachtungstour zu gehen und Tipps brauchen, oder wenn Sie vielleicht schon eine spannende Beobachtung gemacht haben und sie melden möchten, ist der NABU Holzminden der richtige Ansprechpartner.