Fledermaus-Findelkinder

Was tun? NABU Holzminden gibt Tipps

Eine Breitflügelfledermaus beim Ausflug aus ihrem Quartier (Foto: Eberhard Menz, NABU)
Eine Breitflügelfledermaus beim Ausflug aus ihrem Quartier (Foto: Eberhard Menz, NABU)

Wir haben eine Fledermaus gefunden, was sollen wir tun?“, wird beim NABU Holzminden derzeit öfter angefragt. Neben erschöpften oder kranken Alttieren haben die Anrufer oft auch Fledermaus-Findelkinder gefunden, die besonderer Hilfe bedürfen. Mit einfachen Tricks kann man die Überlebenschance der Winzlinge erhöhen und sie ihrer Mutter zurückgeben, erklärt die NABU-Fledermausexpertin Imke Meyer.

 

„Fledermäuse sind keine Haustiere. Sie kümmern sich intensiv um ihren Nach- wuchs“, betont der NABU. „Deshalb muss man jede Möglichkeit nutzen, aus dem Quartier gefallene Jungtiere wieder zurückzusetzen oder der Mutter anzubieten.“ Noch bis Ende August ziehen die Weibchen ihren Nachwuchs in sogenannten Wochenstuben auf. Gerade hausbewohnende Arten wie die recht häufige Zwergfledermaus fallen den Menschen am ehesten auf. 

 

Fledermäuse werden nackt und blind geboren. Sie sind vollkommen hilflos ohne Mutter und werden in den ersten sechs Wochen ausschließlich mit Milch gefüttert. „Die beiden Milchzitzen dienen auch zum Transport. Die Jungen saugen sich an der Mutter fest, die mehr als die Hälfte ihres eigenen Gewichtes transportieren kann“, berichtet Imke Meyer. Fledermausbabys sind wahre Winzlinge, in einen Fingerhut passen bequem zwei frischgeborene Zwergfledermäuse. 

 

Die kleinen Wesen, die auf den ersten Blick wie „vierbeinige Käfer“ oder „komische Hummeln“ aussehen, werden oft gar nicht als Fledermäuse erkannt. Wer eine hilflose Fledermaus entdeckt, sollte sie zunächst mit einem Karton oder Küchensieb gegen Feinde wie Katzen schützen, empfiehlt der NABU. Sind die Jungen noch unbehaart, kühlen sie rasch aus und verfallen in Starre. Sind sie noch bei Kräften, rufen sie lauthals nach der Mutter. Für unsere Ohren klingen die hohen Ultraschall- Rufe allerdings bestenfalls nur wie ein feines Ticken oder Zirpen. 

 

„Mutter ist die Beste, heißt es landläufig. Verlorengegangene Fledermauskinder muss man ihnen zurückgeben“, fordert die Expertin. Nur sie bieten den Jungen die besten Überlebenschancen. Wer den Eingang zum Quartier entdeckt, sollte das Junge dort wieder hinein setzen. „Am besten fasst man Fledermäuse mit einem Tuch oder Handschuhen an. Allerdings nehmen Fledermausmütter im Gegensatz zu Hasen ihre Jungen auch an, wenn sie nach Mensch riechen“, so Meyer. 

 

Ist kein Quartier z.B. anhand von Kotspuren an der Wand auszumachen, sollte das Findelkind bis zur Dämmerung warm und zugfrei verwahrt werden. Eine Stunde vor Sonnenuntergang muss man dann das Junge am Fundort der Mutter anbieten. Das Tier wird dazu auf einen kleinen Tisch oder einen Holzklotz in einer großen, leeren Plastikschüssel gesetzt. So könne es sich nicht panisch in einer unerreichbaren Ritze verkriechen, betont der NABU. 

 

Mit etwas Glück hört die Mutter die Rufe und holt das Junge ab. „Wenn es nach zwei Stunden nicht klappt oder schlechtes Wetter ist, muss man die Prozedur im Morgengrauen und am nächsten Abend wiederholen.“ Auf jeden Fall sollte der Rat des NABU unter 0 55 33 - 93 1 39 eingeholt werden.