Das NABU-Schutzgebiet 28

"Steinbruch Stadtoldendorf"


EU-Projekt LIFE BOVAR setzt lebensraum-verbessernde Maßnahmen für Geburtshelfer-kröte und Kammmolch bei Stadtoldendorf um

Geburtshelferkröte (Foto: Kim Fasse)
Geburtshelferkröte (Foto: Kim Fasse)

 

Ab dem 17. Februar beginnt das Amphibienschutzprojekt LIFE BOVAR des NABU Niedersachsen mit Artenschutzmaßnahmen bei Stadtoldendorf. In Kooperation mit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz werden geeignete Gewässer und Feuchtbereiche im Stiftungswald bearbeitet und optimiert. Profitieren werden gefährdete Arten, insbesondere die Geburtshelferkröte und der Kammmolch, deren Lebensräume sich drastisch verschlechtert haben.

 

Das Waldgebiet der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz nördlich von Stadtoldendorf bietet durch seine strukturelle Vielfalt Lebensraum für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten. Zwei dieser Arten sind der bedrohte Kammmolch und die stark gefährdete Geburtshelferkröte. Beide Amphibien konnten bei den letzten Kartierungen im Jahr 2019 nachgewiesen werden. Während der Bestand des Kammmolches, trotz des sich bundesweit verschlechternden Trends, hier noch vergleichsweise stabil zu sein scheint, ist die Situation der Geburtshelferkröte sehr alarmierend. Ziel der Maßnahmen ist es, die Gewässervielfalt im Gebiet zu erhöhen und vorhandene Teiche und wassergefüllte Erdfälle für die Geburtshelferkröte, den Kammmolch sowie andere Amphibien und Teichbewohner zu optimieren.

Bruno Scheel und Kim Fasse vom NABU-Projekt Bagger mit fachlichem Auge bei jeder Erdbewegung dabei. (Foto: Torsten Maiwald)Bruno Scheel und Kim Fasse vom NABU-Projekt Bagger mit fachlichem Auge bei jeder Erdbewegung dabei
NABU-Projektmitarbeiter Bruno Scheel und Kim Fasse mit fachlichem Auge bei jeder Erdbewegung dabei. (Foto: Torsten Maiwald)

Gemeinsam mit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz wurde daher in den letzten Wochen ein Konzept erarbeitet, um die Gewässer im Stiftungswald für die beiden bedrohten Arten wieder attraktiver zu machen. „Ein gemeinsames Konzept ist eine große Chance für beide Seiten. Es ermöglich uns, die Bedürfnisse bedrohter Arten bei unseren Planungen noch mehr mit in den Fokus zu nehmen. Zudem können wir in den nächsten Jahren weitere Anpassungen und Optimierungen im Habitatmanagement vornehmen“, erläutert Arno Meyer von Wolff, zuständiger Revierförster der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.

Das Konzept sieht jetzt in der ersten Umsetzungsphase die Förderung und Vernetzung der Arten durch eine breite Spanne an praktischen Maßnahmen vor. Zum einen sollen bestehende Gewässer saniert, d. h. teilweise ausgebaggert und von schattenspendenden und Laub eintragenden Gehölzen befreit werden.

Die Teichsanierung bei der Tentruseiche ist für Besucher vermutlich am ehesten interessant. Der dort komplett verlandete Teich wurde hier großzügig neu angelegt. (Fotos: Torsten Maiwald)

Diese Bilder zeigen eine Neuanlage auf einer bisherigen Fichtenmonokultur, die in Folge der Dürre der letzten Jahre dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen ist. (Fotos: Torsten Maiwald)

Des Weiteren sollen an geeigneten Stellen neue Klein- und Kleinstgewässer entstehen. „Fischfreie besonnte Kleingewässer mit einer hohen Strukturvielfalt bieten einen optimalen Lebensraum für unsere Zielarten“, erklärt Kim Fasse, NABU-Projektmitarbeiterin. „Die Anlage mehrerer neuer Gewässer soll sich zudem positiv auf die Verbreitung der Geburtshelferkröte im Gebiet auswirken. Die Art ist im Vergleich zu anderen Amphibien, wie z. B. der Erdkröte, eher wenig wanderfreudig, was dazu führt, dass viele Populationen durch Siedlungs- und Straßenbau zunehmend isoliert sind. Darum ist es wichtig, ihr in naher Umgebung eine möglichst große Anzahl an geeigneten Gewässern zu bieten, um abwandernde Jungtiere in ihrer Ausbreitung zu unterstützen“, so Fasse weiter.

Fotos: Torsten Maiwald

Zu diesem Vernetzungskonzept gehört im Rahmen der Maßnahmen auch die Anlage von sogenannten Grabentaschen (auch „Wegeseitentümpel“) entlang der Waldwege. „Grabentaschen sind wertvolle Biotope für eine Vielzahl von Amphibien und Insektenlarven“, weiß Bruno Scheel, NABU-Projektmitarbeiter. „Sie dienen zum einen als Vernetzungsmaßnahme und Ausbreitungskorridore für Molch, Kröte & Co. entlang von Waldwegen. Zum anderen stellen sie gerade in Anbetracht der zunehmenden Trockenheit eine wertvolle Ressource für den Wald dar, da sie Regenwasser und Sedimente im Wald zurückhalten.“

Kammmolchfang (Foto: Tanja Frischgesell)
Kammmolchfang (Foto: Tanja Frischgesell)

Die Maßnahmen im Stiftungswald sind bereits die dritte Großmaßnahme im Landkreis Holzminden durch das Projekt LIFE BOVAR. Ende 2018 und im Frühjahr 2019 wurden im NABU-Steinbruch westlich von Stadtoldendorf und im Naturschutzgebiet Tuchtberg Amphibienschutzmaßnahmen umgesetzt. Torsten Maiwald über die Maßnahme in seinem Betreuungsgebiet: „Ziel war es, den Steinbruch wieder als einen geeigneten Lebensraum für Kammmolch und Geburtshelferkröte herzurichten. Tatsächlich konnte ich den Kammmolch in den vergangenen beiden Jahren wieder mit steigender Tendenz nachweisen und das Gebiet ist nun auch für eine Wiederansiedlung der Geburtshelferkröte gut geeignet. Ich bin optimistisch, dass sich die Amphibiensituation hier und auf den Stiftungsflächen gut entwickeln wird.“

 

„Wir möchten uns bereits jetzt bei allen Beteiligten für Ihre Unterstützung und die gute Kooperation bedanken. Gemeinsam leisten wir für unsere Zielarten wirklich tolle Arbeit“, so NABU-Projektleiterin Dr. Mirjam Nadjafzadeh.


LIFE BOVAR - großes Amphibienschutzprojekt des NABU Niedersachsen gestartet

Foto: Tanja Frischgesell
Foto: Tanja Frischgesell

Die erste Projektmaßnahme im Landkreis startete bereits kurz vor Weihnachten 2018 im NABU-eigenen Steinbruch in Stadtoldendorf: mit schwerem Gerät wurden Schlamm und Wasserpflanzen aus dem Teich geholt und ein Teil der Sandsteinwände und Geröllhalden von Bewuchs freigestellt. Das verbessert nicht nur die Lebensbedingungen für Geburtshelferkröten, die hier früher vorkamen, sondern auch für Feuersalamander und Schlingnatter.

Aktuelle Informationen und Hintergründe zum Projekt gibt es unter www.life-bovar.com.

 

Foto: Tanja Frischgesell
Foto: Tanja Frischgesell

Großes EU-Artenschutzprojekt zum Erhalt von seltenen Amphibien in Stadtoldendorf

Maßnahmenbeginn im Dezember 2018

Foto: Torsten Maiwald
Foto: Torsten Maiwald

Eine erfreuliche Nachricht für den NABU Holzminden: Noch vor Weihnachten 2018 wird ein großer Kettenbagger im NABU-Steinbruch an der Deenser Straße in Stadtoldendorf angeliefert und voraussichtlich drei Tage lang Maßnahmen im Rahmen eines großen EU-finanzierten Artenschutzprojektes durchführen.

 

Im LIFE BOVAR-Projekt (BOVAR kommt von Bombina variegata, dem lateinischen Namen der Gelbbauchunke) geht es vor allem um den Schutz der Zielarten Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte. Beide Arten sind in ihrem Bestand stark gefährdet.

„In unserem Steinbruch gab es früher eine Population der Geburtshelferkröte. Durch die geplanten Maßnahmen wird das Laichgewässer saniert und es werden neue temporäre Gewässer entstehen“, freut sich Torsten Maiwald, NABU-Vorstandsmitglied und Gebietsbetreuer. Unter temporären Gewässern versteht man kleinere Wasserflächen, die während des Jahres öfter austrocknen und wieder nassfallen. 

Foto: Torsten Maiwald
Foto: Torsten Maiwald

Unter anderem werden dabei auch die zugewachsenen Sandsteinwände freigestellt. Somit verbessert sich der Lebensraum auch für weitere Amphibien und Reptilien. Sowohl Feuersalamander als auch die seltene Schlingnatter nutzen den Steinbruch als Lebensraum. Und ganz nebenbei bekommt der Uhu wieder Brutmöglichkeiten an den Hängen zurück. 

 

Das Projektgebiet umfasst ganz Südniedersachsen und der NABU-Steinbruch ist nur ein Gebiet von vielen. Es geht dabei unter anderem auch um die Schaffung einer Vernetzung geeigneter Biotope, um den seltenen Amphibien zukünftig die Chance zu geben, in Südniedersachsen wieder eine zukunftsfähige Population aufzubauen.

 

„Ab 2019 werden wir die Bevölkerung zu Führungen einladen und die Maßnahmen vor Ort erläutern sowie einiges zu den vorhandenen Pflanzen- und Tierarten unseres Schutzgebietes erzählen“, verspricht Torsten Maiwald. Ohne Führung ist das Betreten des Privatgeländes allerdings verboten. Zu gefährlich ist der Außengürtel des Areals, in dem sich die Natur bewusst ohne Eingriff entwickeln darf. Umgefallene Bäume und Verbuschung versperren hier nicht nur den Weg, sondern an vielen Stellen auch den Blick auf die sehr hohen, steil abfallenden Klippen. Außerdem soll sich die Natur in dem schützenswerten Rückzugsgebiet möglichst ungestört entwickeln können.