Hornissen & Wespen

von Inge und Wilfried Jacob

Welche Tiere gehören zu den Stechimmen?
Zu den in Deutschland vorkommenden Stechimmen gehören ca. 1000 Arten, darunter ca. 550 Wildbienenarten, Hummeln und auch die Ameisen. Nur die Faltenwespen, die Honigbienen, die Hummeln und die Ameisen sind staatenbildend, die übrigen Arten leben solitär.


Was sind Soziale Faltenwespen?
Soziale Faltenwespe aus dem Grunde, weil sie Staaten bilden und Brutpflege betreiben. Die Bezeichnung Faltenwespe kommt von ihrer Flügelart, sie sind in der Ruhestellung zusammengefaltet. Die Hornissen und Wespen zählen zu den Sozialen Faltenwespen, davon sind 16 Arten in Deutschland lebend. Von den 16 sind aber nur zwei für den Menschen „lästig“, die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris).


Wie lange leben Wespen und Hornissen?
Es gibt Wespen mit einem kurzen oder einem langen Lebenszyklus. Das Volk mit dem kurzen Lebenszyklus entwickelt sich von Mai bis Ende September und das mit langem Zyklus von Ende April bis zu den ersten Nachtfrösten. Zu diesen gehören die „lästigen“ Wespen-arten, jedoch auch die harmlosen Hornissen. Das verlassene Nest wird nicht mehr benutzt. Die überwinterten Königinnen bauen an anderer Stelle im nächsten Jahr ein neues Volk auf.

Wie groß werden Hornissen- oder Wespenvölker?
Die langlebigen Wespenvölker können in unseren Breitengraden bis zu mehreren 1000 Tiere haben, die Hornissenvölker bis zu 800 Tiere.


Wovon ernähren sich soziale Faltenwespen?
Wespen und Hornissen ernähren sich von Nektar, Frucht- und Baumsäften oder anderen Süßigkeiten. Zur Aufzucht ihrer Brut benötigen sie aber eiweißhaltige Nahrung - wie andere (für uns Menschen oft lästige) Insekten, wie Mücken und Schnaken - aber auch Speisereste und Fleisch. Sie mögen sowohl unser Eis, das wir im Garten essen wie auch unser Steak (für die Brut), das wir grillen. Hornissen hingegen belästigen uns bei unserem Gartenaufenthalt nicht. Ein Wespenvolk verfüttert ca. 250 g und ein Hornissenvolk bis zu 500 g Insekten pro Tag an seine Brut, so viel wie vier bis fünf Meisenfamilien an ihre Jungen am Tag verfüttern. Nicht zuletzt aus diesem Grunde sind diese Tiere sehr nützlich.


Woraus besteht ein Wespen- oder Hornissennest?
Als Nestbaumaterial benötigen sie Holz. Sie raspeln mit ihren Kauwerkzeugen dünne Schichten von altem Holz ab und vermischen es mit ihrem Speichel. Mit dieser papierähnlichen Masse bauen sie kunstvolle und ausgeklügelte Nester in interessanten Farbvarianten, je nach Material. Durch das Abraspeln einer dünnen Holzschicht wird übrigens keine Bausubstanz geschädigt.


Können Wespen und Hornissen sich durch Wände und Decken fressen?
Grundsätzlich können sie das nicht, wenn es sich um normales Baumaterial handelt. Papier und Pappe können sie aber bei Platzmangel zur Vergrößerung ihres Nestes schon durchnagen.

Sind Wespen und Hornissen Menschen gegenüber aggressiv?
Wespen und Hornissen sind grundsätzlich friedfertig, wenn man bestimmte Regeln beachtet. Hier einige Verhaltensmaßregeln:

  • die Flugbahn nicht verstellen,
  • 2 m Abstand vom Nest einhalten,
  • sich ruhig verhalten und nicht nach ihnen schlagen.

Hornissen sind kurzsichtig und umrunden aus Neugier oft Menschen ohne Angriffsabsichten. Man hat festgestellt, dass sich z.B. Hornissen an ständig wiederkehrende Geräusche, an Gerüche und somit auch an die Menschen in ihrer Umgebung gewöhnen und sie in Nestnähe tolerieren.

Wie toxisch ist das Gift der Tiere?
Am Gift der aus Unkenntnis so gefürchteten Hornissen ist noch kein Mensch gestorben. Tierversuche haben ergeben, dass eine Maus sechs, eine Laborratte 60 Stiche überlebte. Wie viele Stiche kann dann erst ein gesunder Mensch ertragen? Das Gift einer Hornisse ist nicht schlimmer als das einer Wespe oder Honigbiene. „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sechs ein Pferd“ ist eine Legende, die aber immer noch in den Köpfen einer Vielzahl von Menschen herumspukt.


Wie kann ich verhindern, gestochen zu werden?
Da einige Wespenarten gern Süßigkeiten zu sich nehmen, sind Kleinkinder schon gefährdet (süße Getränke, süße Speisen, Reste eventuell am Mund). Hier ist Vorsicht geboten. Kinderwagen sollte man mit Fliegengaze, die auch andere Insekten abhält, absichern.


Was ist zu tun, wenn man trotzdem gestochen wird?
Eine altbewährte Methode ist, die Einstichstelle auszusaugen, sie mit Eis oder mit essigsaurer Tonerde zu kühlen und dann mit Zwiebel, Teebaumöl oder Salbe (z.B. Fenistil-Gel) einzureiben.


Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Allergiker treffen?
Bei allergischer Reaktion, z.B. Hautausschlag, Atemnot, Kreislaufbeschwerden, ist sofort der Arzt aufzusuchen. Allergiker ist man nicht sofort, sondern eine Allergie entwickelt und steigert sich. Nachgewiesene Allergiker sollten ein Erste-Hilfe-Besteck bei sich haben. Allergisch auf Insektenstiche reagieren nur ca. 4% der Bevölkerung.
Eine Rötung oder ein Anschwellen der Einstichstelle und ihrer Umgebung ist kein Zeichen von Allergie.


Stehen Wespen und Hornissen unter einem besonderen Schutz?
Hornissen haben einen besonderen Schutzstatus, sie unterstehen der Bundesartenschutzverordnung. Wespen unterstehen dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz, § 35, in dem es heißt: „Es ist verboten, wildlebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten“. Was ist ein vernünftiger Grund? Das gilt es immer gründlich abzuwägen. Durch gezielte Aufklärung und Beratung können ca. 95% aller so genannten „Problemfälle“ gelöst werden. Alle Maßnahmen, die in das Leben der Tiere eingreifen, müssen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden abgestimmt werden. Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Beratungen so durchzuführen, dass ein Eingriff in das Leben der Tiere die absolute Ausnahme bleibt.