Wie können wir unsere Gärten igelfreundlich gestalten?

Foto: Anreas Bobanac/NABU
Foto: Anreas Bobanac/NABU

Der hierzulande heimische Braunbrustigel zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Wildtieren. Fast jeder, egal ob klein oder groß, kennt die niedlichen, stacheligen Gartenbewohner, und viele haben sie schon in ihren Gärten zu Gesicht bekommen.

Doch diese Begegnungen werden immer seltener, da die Bestände auch in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zurück gehen.

Deshalb hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Igel zum "Wildtier des Jahres 2024 " ernannt.

 

Ein Jahr lang soll nun verstärkt auf die Gefährdung der Igel, deren Lebensweise und Möglichkeiten zu ihrem Schutz hingewiesen werden.

 

Igel waren ursprünglich in offenen, strukturreichen Landschaften zuhause. Mit dem Rückgang dieser abwechslungsreichen Lebensräume durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft verlagerten sich die Reviere der stacheligen Säugetiere in Gärten, Parks und auch auf Friedhöfe. 

Doch auch dort wird ihnen zunehmend das Überleben schwer gemacht. 

Zu den Hauptgründen dafür zählen unter anderem die Eintönigkeit der Bepflanzung, die hermetische Abriegelung von Gärten durch dichte Zäune oder Mauern und die Mechanisierung der Gartengeräte.

 

Was können wir tun, um unsere Gärten igelfreundlicher zu gestalten?

 

Die ideale Bepflanzung

Foto: Thomas Munk
Foto: Thomas Munk

Igel sind Insektenfresser, das heißt sie ernähren sich von Laufkäfern und anderen Insektenarten, die sich auf dem und im Boden bewegen.

Bei der Gartenbepflanzung sollte auf heimische Pflanzen Wert gelegt werden, die durch ihre Blätter und unterschiedliche Blühphasen verschiedene Insekten anlocken.

 

Davon profitieren nicht nur die Igel, sondern auch andere Tierarten, die auf Insekten als Nahrungsquelle spezialisiert sind, zum Beispiel viele Vogelarten, Fledermäuse, Amphibien und Reptilien.

Gartenbereiche, in denen Wildkräuter und -gräser ungestört wachsen können, stellen eine Bereicherung für unsere heimischen Wildtiere dar, da sie nicht nur Nahrungsquelle sind, sondern auch Versteckmöglichkeiten bieten.

Auch Büsche und Hecken sind für Igel von großer Bedeutung, vor allem wenn dort heimische Sträucher wie Holunder, Weißdorn, Hasel, Heckenrosen und andere zu finden sind.

 

Diese Pflanzenarten locken ebenfalls Insekten an und dienen als Unterschlupf, sowie am Tage als Versteckmöglichkeit.

Herabfallendes Laub und Äste sollten unter den Sträuchern liegen bleiben. Hier finden Igel Asseln, Käfer und andere Kleintiere. Außerdem dienen Laub, trockene Halme und Zweige Igeln als Baumaterial für verschiedene Arten von Nestern (Winterschlafnester, Nester für den Schlaf am Tage, Wurfnester für die Unterbringung des Igelnachwuchses).

Wer Igeln also wirklich helfen will, sollte im Garten für einen geeigneten Lebensraum und eine igelgerechte Nahrungsgrundlage sorgen. Grundsätzlich gilt: Je naturnäher der Garten gestaltet ist, umso geeigneter ist er als Lebensraum für Igel und den Rest seiner Lebensgemeinschaft. Den besten Schutz erfahren unsere heimischen Igel durch einen giftfreien und mit heimischen Pflanzen bestückten Naturgarten.

 

Insbesondere junge Igel können im Herbst auch tagaktiv sein, um sich die nötigen Fettreserven anzufressen. Diese Tiere sollten nicht aus falsch verstandener Fürsorge aufgenommen werden. So haben Igelforscher nachgewiesen, dass auch kleinere Jungtiere in der Natur wesentlich größere Überlebenschancen haben als allgemein angenommen wird. Insbesondere haben im Haus überwinterte Igel erhebliche Anpassungsschwierigkeiten, wenn sie im Frühjahr wieder in die Natur entlassen werden.

 

Weitere Informationen rund um den Igel, seine Lebensweise und die Konflikte mit dem vom Menschen geprägten Umfeld sowie Tipps zum Igelschutz bietet die 20-seitige, farbig bebilderte Broschüre "Der Igel - Pflegefall oder Outdoor-Profi?". Diese Broschüre sowie weiteres Informationsmaterial zum Igel ist im NABU- Umweltladen, Oberbachstraße 47 in Holzminden, erhältlich. Aber auch hier kann man mehr über den Igel erfahren.

Weitere Gestaltungselemente

Reisig, Holz- und Steinhaufen, die in einem wenig genutzten Bereich des Gartens angelegt werden, sind ebenfalls von großer Bedeutung. Es handelt sich um kleine Biotope, die von verschiedensten Insekten besiedelt werden und daher eine hervorragende Nahrungsquelle für die stacheligen Säugetiere darstellen.

 

Auch eine sogenannte „Benjeshecke“, die aus übereinander gestapeltem Strauchschnitt besteht, stellt eine Bereicherung für den Igel und andere Wildtiere dar.

Wasserstellen

In heißen und trockenen Dürrephasen leiden auch Igel darunter, dass natürliche Wasserquellen austrocknen. Flache Wasserschalen, die regelmäßig aufgefüllt und gereinigt werden, können Abhilfe schaffen. Gartenteiche mit steilen oder glatten Rändern stellen eine tödliche Gefahr für Igel dar, da diese zwar eine Zeitlang schwimmen, aber sich nicht daraus befreien können und dann ertrinken.

Hier sollte immer für eine oder mehrere Ausstieghilfen gesorgt werden.

Ausschluss von Gefahrenquellen

Neben den genannten Gefahren im Bereich von Wasserstellen führen auch steile Treppenabgänge und Lichtschächte zu Verletzungen oder gar zum Tod, wenn die Tiere nicht rechtzeitig gefunden werden. Auch im Garten ausgehobene Löcher können zur tödlichen Falle werden. Vertiefungen jeglicher Art sollten immer abgedeckt oder, falls dies nicht möglich sein sollte, mit Ausstiegmöglichkeiten versehen werden.

 

Auch Gartenhütten oder Garagen, die mal geöffnet und mal geschlossen sind, stellen eine Gefahr dar, wenn Igel über mehrere Tage dort eingesperrt sind.

Es sollte dann regelmäßig kontrolliert werden, um Todesopfer durch Verdursten und Verhungern zu vermeiden.

Auch wenn das öffentliche Aufstellen von Schlagfallen zum Fang von Ratten oder Mäusen verboten ist, werden immer wieder Igel mit durch Fallen verletzten Gliedmaßen in die Auffangstationen gebracht. Immer wieder müssen diese Tiere eingeschläfert werden, da in der Regel die Vorderpfoten betroffen sind, die der Igel benötigt, um nach seiner Nahrung zu buddeln.

Auch gibt es immer wieder Igel, die von Rattengift oder Schneckenkorn gefressen haben.

Dies führt zu einem qualvollen Tod und ist unbedingt zu unterlassen.

Gartengeräte

Eine große Gefahr für die Igel stellen Mähroboter dar, die sich leider immer größerer Beliebtheit erfreuen. Da die wenigsten Modelle vor Hindernissen Halt machen und Igel bei Gefahr nicht fliehen, sondern sitzen bleiben oder sich zusammenrollen, führt das Aufeinandertreffen bei den Tieren zu schwersten Verletzungen im Gesichtsbereich (Abgetrennte Nase, Kiefer etc.) und an den Vorderpfoten. Leider versterben die Tiere meistens nicht unmittelbar, sondern „leben“ schwerstverletzt tagelang damit weiter. Wenn sie dann doch gefunden und zu einer Auffangstation gebracht werden, bleibt meist nur noch die Einschläferung.

 

Ein Mähroboter ist ein No-Go für einen igelfreundlichen Garten, auch wenn dieser ausschließlich tagsüber laufen sollte. Das Gerät tötet auch Kleinstlebewesen, die der Igel als Nahrung benötigt.

Vor der Nutzung von Rasentrimmern/Sensenmähern sollten Bereiche mit höherem Bewuchs gründlich nach Igeln abgesucht werden, da auch diese zu schwersten Verletzungen führen können.

Zufüttern oder nicht?

In insektenarmen Gärten und auch während langer Dürreperioden, in denen sich Insekten in tiefere Bodenschichten zurückziehen, und der Boden steinhart wird, sollte eine Futterstelle für die Igel eingerichtet werden.

Dort kann getreidefreies Katzen-Nass- und Trockenfutter angeboten werden.

Dabei sollten Futtersorten mit einem hohem Fleischanteil, und ohne Gelee oder Soße verwendet werden. Beides könnte zu Verdauungsstörungen führen.

Milch darf auf keinen Fall verfüttert werden, da Igel hochgradig laktoseintolerant sind.

 

Kirsten Strauch

Auffangstation für Wildvögel und Igel im Kreis Höxter