Ein Paradies für Langstreckenflieger

Neue Quartiere für Mauersegler in Stadtoldendorf / Albrecht Jacobs kämpft um den Erhalt der wendigen Flugakrobaten

Foto: Jürgen Bommer
Zahlreiche Nistkästen wurden an diesem Tag in luftiger Höhe montiert

Das große ehrenamtliche Engagement Albrecht Jacobs für den Natur- und Artenschutz ist schon seit Langem bis weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Stadtoldendorf hinaus bekannt. Für seine jahrzehntelangen, überaus erfolgreichen Bemühungen für die Wiederansiedlung des Uhus im Weserbergland, konnte er im Jahr 2006 das Bundesverdienstkreuz aus den Händen des damaligen Umweltministers Hans-Heinrich Sander entgegennehmen. Jetzt kämpft der engagierte Naturschützer gemeinsam mit seinem Sohn Gunnar für den Erhalt der Mauersegler. Eine erfolgreich abgeschlossene Arbeit, Lob und Anerkennung – für Albrecht Jacobs längst kein Grund sich zufrieden zurück zu lehnen. Immer wieder hat der liebevoll als „Uhuvater“ betitelte Pensionär einen Blick auf die Natur. Und wenn irgendetwas im Argen liegt, dann kann er einfach nicht anders, dann muss er Hand anlegen, Missstände korrigieren. Aktuell bereiten ihm die immer schlechter werdenden Lebensbedingungen für den Mauersegler große Sorgen. Boten Wohngebäude und landwirtschaftliche Ställe früher Mauerseglern, Schwalben und anderen Vögeln zahlreiche Nistmöglichkeiten, halten heutzutage energetisch perfekt ausgeführte Bauten keine Nischen für unsere Gefiederten Mitbewohner bereit. Das stellt besonders die über Jahre extrem Standorttreuen Mauersegler vor große Probleme. Nicht selten stehen sie im April nach ihrer langen Rückreise aus Südafrika bei uns vor „verschlossenen Türen“.

Foto: Jürgen Bommer
Die Bereitstellung eines Hubsteigers samt Mitarbeiter durch den Niedersächsischen Nutzfahrzeughandel aus Deensen erleichterte die Arbeit der Naturschützer enorm

Ganz anders in der Innenstadt von Stadtoldendorf. Dort hat Albrecht Jacobs mit Hilfe seines Sohnes Gunnar zahlreiche Nistmöglichkeiten an der Fassade seines Hauses und im naturbelassenen Garten in der Teichtorstraße geschaffen. Darüber hinaus wurden weitere Nistkästen mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr nach Absprache mit Stadtdirektor Wolfgang Anders im Stadtgebiet installiert.

Foto: Jürgen Bommer
Nach und nach wurden die Nistkästen mit Hilfe des Hubsteigers an der Fassade montiert

Und die Bemühungen der beiden Hobbyornithologen wurden belohnt. 87 Brutpaare zogen im vergangenen Jahr in Stadtoldendorf ihre Jungen auf. Damit beherbergt die Homburgstadt eine der größten Mauerseglerkolonien in Niedersachsen. Ein Grund mehr für Albrecht Jacobs, in diesem Jahr die Bemühungen für die spektakulären Flugakrobaten weiter zu intensivieren. Mit der großzügigen Unterstützung durch den Niedersächsischen Nutzfahrzeughandel NNH aus Deensen, die einen Hubsteiger samt Mitarbeiter bereitstellten, konnten jetzt 20 weitere Nistplätze an der Fassade des Hauses in der Teichtorstraße installiert werden. Die neuen Behausungen wurden von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, sowie dem NABU Holzminden finanziert und von Mitarbeitern der Jugendwerkstatt Holzminden gebaut. „Unser Ziel ist es, die Population weiter zu steigern“ so Albrecht Jacobs während des Arbeitseinsatzes am eiskalten Sonnabendvormittag.

Foto: Jürgen Bommer
Die Vorstandsmitglieder Torsten Maiwald und Tanja Frischgesell vom NABU Holzminden unterstützten Albrecht Jacobs (von links) tatkräftig bei der Reinigung der alten Nistkästen

Sorge bereiten ihm dabei nur die zurückgehenden Insektenbestände. Der Rückgang naturnaher Gärten und die intensive Landwirtschaft mit dem großflächigen Einsatz von Pestiziden führen vielerorts zu einem deutlichen Einbruch der Insektenpopulation. „Wir können nur hoffen, dass die Insektenjagenden Mauersegler in Zukunft in unserer Region noch genügend Nahrung finden“ so Gunnar Jacobs. Ein Grund mehr, sich für einen umfassenden Naturschutz stark zu machen. Die Stadtoldendorfer Bürger, von denen an diesem Tag einige interessiert und neugierig dem Treiben in der Teichtorstraße zuschauten, dürfen sich schon jetzt auf die spektakulären Aktionen der akrobatischen Flugkünstler im nächsten Sommer freuen.

Foto: Jürrgen Bommer
Zufriedene Gesichter am Ende eines erfolgreichen Arbeitseinsatzes. Gunnar und Albrecht Jacobs mit dem Mitarbeiter des NNH Torsten Miemietz (von rechts)

Text und Fotos: Jürgen Bommer (s. Täglicher Anzeiger Holzminden - TAH - vom 9. Januar 2017)


NABU und Stadt Holzminden schaffen

Brutplätze für Mauersegler

Foto: Ulrich Frischgesell
Foto: Ulrich Frischgesell

Mauersegler sind außergewöhnliche Vögel, die fast ihr gesamtes Leben in der Luft verbringen. Sie fangen Insekten in Höhen bis zu 3.000 Metern, sammeln aus der Luft Halme, Federn und andere leichte Materialien zum Nestbau und können im Flug trinken und sogar schlafen. Nur um zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen, brauchen sie festen Boden unter ihren Füßen.


Ende April kommen die ersten aus ihrem Winterquartier in Afrika südlich der Sahara zurück. Mauersegler sind Kulturfolger und auf Spalten und Nischen unter unseren Dächern angewiesen, am liebsten an hohen Gebäuden, denn sie brauchen freien An- und Abflug.


Doch oft werden die angestammten Brutplätze der Vögel bei Dachumdeckungen oder Gebäudesanierungen verschlossen. Dabei kann man Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse bei Renovierungen gleich mit einplanen.

Foto: Ulrich Frischgesell
Foto: Ulrich Frischgesell

Als das Verwaltungsgebäude II in der Neuen Straße eingerüstet war, sprach der NABU die Mitarbeiter des Bauamtes der Stadt Holzminden an und traf auf großes Interesse und Entgegenkommen. Nun gibt es dort vier Nistkästen, in denen acht Mauersegler- paare brüten können, denn die Vögel mögen es gesellig. In diesem Jahr sollen auch am Stadthaus nebenan genau so viele Nisthilfen angebracht werden. Außerdem wurden auf Vorschlag des Bauamtes an der Ostseite der Grundschule Karlstraße sogar weitere acht Doppelkästen aufgehängt.


In Zukunft können dann an den drei Gebäuden in Holzmindens Innenstadt insgesamt 32 Mauerseglerpaare für Nachwuchs sorgen!


Vielleicht denken auch andere Hausbesitzer bei bevorstehenden Gebäudesanierungen an diese typischen Sommervögel, die nur für drei Monate in Mitteleuropa sind und dann schrill rufend in rasanten Flugmanövern um die Häuser ziehen.

Foto: Ulrich Frischgesell
Foto: Ulrich Frischgesell

Abgesehen von Brut- möglichkeiten sind die Segler natürlich auch auf ein ausreichendes Nahrungs-angebot für sich und ihre Jungen angewiesen. Um Insekten anzulocken, kann man z.B. mehr Wildblumen und Kräuter in Balkonkästen oder heimische Sträucher statt steriler Thuja- und Kirschlorbeerhecken in den Garten pflanzen. Davon profitieren auch viele weitere Vogelarten und andere Tiere, wie Fledermäuse, die gern in unserer Nachbarschaft leben.