Aus dem Täglichen Anzeiger Holzminden (TAH) vom 28.08.2018

Ein paar Blühstreifen allein reichen nicht

22. Europäische Fledermausnacht mit zahlreichen Veranstaltungen / NABU Holzminden mit neuem Detektor unterwegs

Die Höhlenbegehung ist für Jung und Alt immer wieder gleichermaßen spannend. (Foto: J. Bommer)
Die Höhlenbegehung ist für Jung und Alt immer wieder gleichermaßen spannend. (Foto: J. Bommer)

Das letzte Wochenende im August hat sich mittlerweile endgültig zu dem Fledermaus- Event des Jahres entwickelt. So hatte der NABU im vergangenen Jahr rund 200 unterschiedliche Veranstaltungen zum Thema Fledermäuse angeboten. Auch im Rahmen der diesjährigen Europäischen Fledermausnacht standen wieder interessante Vorträge und Exkursionen auf dem Programm. Dabei beteiligte sich auch der NABU Holzminden wieder mit drei kreisweiten Veranstaltungen, die die Fledermäuse als europaweit bedrohte Tierart in den Mittelpunkt des Interesses stellten. Schon seit Jahren beteiligt sich der NABU Holzminden mit drei interessanten und abwechslungsreichen Veranstaltungen an der europaweiten Batnight. Dabei bieten die Mitglieder der AG Fledermausschutz großen und kleinen Naturfreunden zahlreiche Informationen zu den nächtlichen Jägern an. Dabei geht es mal spielerisch, mal aber auch sehr spannend und abenteuerlich zu.

 

 

Imke Meyer, Leiterin der AG Fledermausschutz, im Einsatz mit dem neuen Batlogger, finanziell gefördert durch die BINGO-Umweltstiftung. (Foto: T. Frischgesell)
Imke Meyer, Leiterin der AG Fledermausschutz, im Einsatz mit dem neuen Batlogger, finanziell gefördert durch die BINGO-Umweltstiftung. (Foto: T. Frischgesell)

In Grave stand in diesem Jahr wieder der Ausflug der Wochenstube des Großen Mausohres auf dem Programm. Normalerweise in jedem Jahr ein großes Naturschauspiel, wenn über 1.200 Tiere zur nächtlichen Jagd aufbrechen. In diesem Jahr jedoch waren nur noch wenige Individuen vor Ort. Grund dafür könnte der lange, sehr warme Sommer sein. Dadurch könnte sich die Wochenstube früher als gewohnt aufgelöst haben. Dennoch war das Zusammentreffen mit den großen Fledermäusen für viele der 30 Exkursionsteilnehmer beeindruckend. Beim Kinderfest im Kauffmannsgarten kam dann der neue Bat- Detektor der AG Fledermausschutz zum Einsatz. Das neue Gerät, gefördert von der BINGO-Umweltstiftung, hat nicht nur eine größere Reichweite, es ist Detektor und Aufnahmegerät in einem und eröffnet dadurch den NABU-Aktiven ganz neue Möglichkeiten bei der Suche nach Fledermäusen und deren Artbestimmung.

Thomas Patzelt zeigt einen toten Feuersalamander (Foto: J. Bommer)
Thomas Patzelt zeigt einen toten Feuersalamander (Foto: J. Bommer)

Zum Abschluss des langen Fledermaus-wochenendes ging es dann wieder in die Winterquartiere der Fledermäuse in den Ith.  Auf dem Weg zur Rothesteinhöhle konnten sich die Exkursionsteilnehmer bei der Wanderung durch den Laubmischwald ein eindrucksvolles Bild von den Folgen der langen Trockenheit machen. Auf den Passagen des Weges, auf denen kein Laub lag, war der Boden trotz einiger Niederschläge der vergangenen Tage so trocken, dass jeder Schritt Staub aufwirbelte. Und auch in der so imposanten Tropfsteinhöhle war es in diesem Jahr sehr viel trockener und wärmer als in den Vorjahren. Ein Umstand, der der Begehung  jedoch nicht ihre Spannung nahm. Für Jung und Alt war die uralte Klufthöhle eine echte Überraschung. „So etwas hätten wir echt nicht erwartet“ so eine junge Familie aus dem Raum Höxter beeindruckt. Sicher auch nicht die leckeren Fledermauskekse, die Ulrike Meyer- Patzelt extra für die Exkursionsteilnehmer gebacken hatte.

Vor der Töpferhöhle im Ith (Foto: T. Patzelt)
Vor der Töpferhöhle im Ith (Foto: T. Patzelt)

Insgesamt bot der NABU Holzminden an diesem Wochenende wieder umfassende Informationen zum Thema Fledermausschutz an.
Und dabei zeigte sich deutlich, dass mittlerweile nicht nur fehlende Quartiere den Arten Probleme bereiten. Auch Nahrungsmangel bedroht die fliegenden Säugetiere, da sich alle unsere heimischen Arten ausschließlich von Insekten ernähren.
Die Anlage von ein paar Blühstreifen, meistens eine bunte Mischung aus Kulturpflanzen wie Raps, Sonnenblumen und Phacelia sowie verschiedenen Kleesorten, hilft nicht gegen den Artenschwund. Nachtfalter, Käfer und Schmetterlinge sind hochspezialisiert und an bestimmte Wildpflanzen angepasst. Wenn diese fehlen, verschwinden alle Tiere, die sich von ihnen ernähren, und in Folge dessen auch die Insektenfressenden Fledermäuse. Somit ist und bleibt der Fledermausschutz ein wichtiger Schwerpunkt auch beim NABU Holzminden.

Die Teilnehmer und Exkursionsleiter vor dem steilen Aufstieg zur Rothesteinhöhle im Ith. (Foto: Reschke)
Die Teilnehmer und Exkursionsleiter vor dem steilen Aufstieg zur Rothesteinhöhle im Ith. (Foto: Reschke)

Bericht: Jürgen Bommer

Aus dem Täglichen Anzeiger Holzminden (TAH) vom 28.08.2017

Stelldichein mit den lautlosen Jägern der Nacht

Spannende Exkursionen des NABU Holzminden zur 21. internationalen Batnight

Foto: Jürgen Bommer
Foto: Jürgen Bommer

Bereits zum 21. Mal fand an diesem Wochenende die internationale Batnight statt. Mittlerweile beteiligen sich weltweit über 35 Länder an dieser traditionell am letzten Augustwochenende stattfindenden Aktion. Ziel ist es dabei, die akrobatischen Flugkünstler näher kennen zu lernen und auf den Schutz ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen. Auch der NABU Holzminden beteiligt sich seit vielen Jahren mit drei Veranstaltungen im Kreisgebiet an der Batnight.

Traditionell eröffnete in diesem Jahr ein Abendspaziergang durch Grave das lange Fledermauswochenende. Die dortige Kirche beherbergt eine der größten Wochenstuben des Großen Mausohres. Das Große Mausohr ist die größte Art unter den 25 einheimischen Fledermausarten. Der Ausflug der weit über 1000 Exemplare aus der Graver Kirche zur nächtlichen Jagd ist in jedem Jahr ein spektakuläres Naturerlebnis.

Das Fledermaus-Kinderfest am Sonnabendabend im Kauffmannsgarten in Holzminden ist immer besonders, der Name lässt es schon erahnen, bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Spielerisch erfahren die jungen Naturliebhaber viel über das Leben der lautlosen Jäger der Nacht, bevor es dann mit Taschenlampen und sogenannten Bat-Detektoren ausgestattet an die Holzmindener Teiche geht. Dort lassen sich unterschiedliche Fledermausarten beobachten, vor allem aber auch akustisch bei der Jagd nach Insekten belauschen. Viele Teilnehmer dieser Exkursion sind immer wieder darüber erstaunt, was sich im Dunkeln der Nacht mitten in der Stadt ereignet.

Fledermausexpertin Ulrike Meyer-Patzelt (im grünen Shirt) hatte viel Wissenswertes zu den Fledermäusen parat. (Foto: Jürgen Bommer)
Fledermausexpertin Ulrike Meyer-Patzelt (im grünen Shirt) hatte viel Wissenswertes zu den Fledermäusen parat. (Foto: Jürgen Bommer)

Abschluss und sicherlich auch immer wieder ein Höhepunkt der Veranstaltungen im Rahmen der internationalen Batnight ist am Sonntagvormittag die Wanderung zu den Winterquartieren der Fledermäuse im Ith. Die Höhlen dort, insbesondere die Rothesteinhöhle, dienen den Fledermäusen als Rückzugsort in der Insektenlosen Zeit des Jahres. In der feuchten, das ganze Jahr über mit gleichbleibender Temperatur ausgestatteten Höhle finden die Fledermäuse perfekte Bedingungen zur Überwinterung vor. Die Begehung der langen und tiefen Klufthöhle ist immer wieder ein Abenteuer. Und dass sich den Exkursionsteilnehmern dabei in diesem Jahr insgesamt fünf Fledermäuse in den engen Gängen der Höhle präsentierten, setzte dieser spannenden Begehung die Krone auf. Dabei zeigten die kleinen Flugkünstler wieder einmal ihre ganze Akrobatik und ihren tollen Ortungssinn. Kein Tier verfing sich in den Haaren oder kollidierte mit den überraschenden Besuchern ihrer Behausung. Und das obwohl oft kaum 30 Zentimeter Abstand zwischen Mensch und Fledermaus herrschte. Parallel erfuhren die Exkursionsteilnehmer anhand von großformatigen Laminaten und anderen Anschauungsmaterialien viel Wissenswertes über die fliegenden Säugetiere.

Foto: Thomas Patzelt
Foto: Thomas Patzelt

Parallel erfuhren die Exkursionsteilnehmer anhand von großformatigen Laminaten und anderen Anschauungsmaterialien viel Wissenswertes über die fliegenden Säugetiere. Der Rückweg ging dann wie in jedem Jahr über einen urigen Trampelpfad an den Kletterfelsen entlang zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung. Dabei lernten die Exkursionsteilnehmer auch die weniger bekannten Höhlen im Ith kennen. Zur Belohnung, dass alle diese spannende aber auch anstrengende Exkursion durchgehalten hatten, gab es zum Abschluss selbstgebackene Fledermauskekse und Weingummis. Begeistert, hochzufrieden und mit vielen neuen Eindrücken verabschiedeten sich die Teilnehmer, die sogar aus Nordhessen angereist waren, von den NABU-Aktiven. Alles in allem war es wieder einmal eine rundum gelungene Batnight. Auch im Kreis Holzminden.

Bericht: Jürgen Bommer