Es stand im Täglichen Anzeiger Holzminden (TAH) am 15.03.2017:

Der Gestalter der Auen kehrt zurück

Biber- Experte Bernd Hermening referiert beim NABU Holzminden / Jahreshauptversammlung mit Ehrungen

Das Exponat war durch langjährige Sonneneinstrahlung ausgebleicht und zeigte nicht die original Fellfarbe. Die Größe des Eurasischen Bibers jedoch erstaunte die Naturfreunde
Das Exponat war durch langjährige Sonneneinstrahlung ausgebleicht und zeigte nicht die original Fellfarbe. Die Größe des Eurasischen Bibers jedoch erstaunte die Naturfreunde.

Immer mehr seltene, oft schon vor Jahrzehnten vom Menschen ausgerottete Tierarten kehren in ihre ehemaligen Lebensräume zurück. Dabei löst die Rückkehr von Bären, Luchsen und Wölfen oft kontroverse Diskussionen aus. Doch es gibt auch etwas „unspektakulärere“ Arten die das Interesse zahlreicher Naturfreunde auf sich ziehen. So wie der Eurasische Biber, der seit einiger Zeit auch den Kreis Holzminden für sich wiederentdeckt hat. Biber- Experte Bernd Hermening nutzte jetzt die Gelegenheit anlässlich der Jahreshauptversammlung des NABU Holzminden, zahlreichen Naturfreunden Europas größtes Nagetier näher zu bringen. Bernd Hermening, Mitglied in der AG Biberschutz des NABU Laatzen, hatte neben zahlreichen Informationen vor allem auch einige hochinteressante Präparate mit in das Hotel Kiekenstein nach Stahle gebracht. Darunter einen Eurasischen Biber in Originalgröße. Und dieses Modell löste bei vielen Besuchern Erstaunen aus. Kennen viele doch nur einen im Wasser schwimmenden Biber. Dessen wahre Größe bleibt dadurch meist verborgen. „Beim Biber verhält es sich wie beim Eisberg, der größte Teil befindet sich unter Wasser“ so der Biber- Experte. Dabei bringt es das bis zu 30 Kilogramm schwere Tier auf eine Gesamtlänge von bis zu 135 Zentimeter.

Der Biber- Experte Bernd Hermening (rechts) erläutert Dr. Helmut Roth vom NABU Holzminden Fraßspuren des Bibers
Der Biber- Experte Bernd Hermening (rechts) erläutert Dr. Helmut Roth vom NABU Holzminden Fraßspuren des Bibers

Dementsprechend begehrt war der Biber in den vergangenen Jahrhunderten als Rohstofflieferant, weiß Hermening zu berichten. Sein Fell, sein Fleisch, aber auch das begehrte Drüsensekret „Bibergeil“ führten zu einer starken Bejagung und bereits 1850 galt der Biber in Europa als ausgerottet. Seit langem steht er deshalb unter besonderem Schutz und durch natürliche, aber auch gezielte Wiederansiedlungen erholen sich die Bestände langsam. Mittlerweile gibt es in Deutschland wieder 25.000 Tiere, 600 davon in Niedersachsen. Hermening berichtete von Biologie, Lebensraumansprüchen und der ununterbrochenen Bauleistung des semiaquatischen Tieres, das sich ausschließlich vegetarisch ernährt. Hermening verschwieg jedoch auch nicht das mit seinem Baudrang verbundene Konfliktpotential. So können seine Gänge auf Äckern, Wegen und vor allem an Dämmen zu ernsthaften Gefahren führen. Deshalb plädiert der NABU Experte für ein artgerechtes Wildtiermanagement. Denn eines ist mittlerweile zweifelsfrei erwiesen: „Der Biber schafft für den Menschen wertvolle Lebensräume. Und das kostenlos.“ Der Biber ist deshalb Europaweit eine Art von gemeinschaftlichem Interesse, so der Biber-Experte aus Laatzen.

In der sich dem Vortrag anschließenden Jahreshauptversammlung des NABU Holzminden konnte Vorstandssprecherin Tanja Frischgesell von zahlreichen Aktivitäten im Bereich des Natur-, Arten-, und Biotopschutzes berichten. Auch im Bereich der Umweltbildung waren wieder zahlreiche NABU Aktivisten aktiv. Besonders erfreulich ist auch die in den letzten Jahren steigende Mitgliederzahl. Aktuell besteht der NABU Holzminden aus über 1500 Mitgliedern. Drei von ihnen konnten in diesem Jahr für 30- jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet werden. Friedhelm Mewes aus Polle, Henning Nawroth aus Stadtoldendorf und Karl-Heinz Göhmann aus Holzminden dürfen sich über Urkunden und eine besondere NABU Anstecknadel freuen. Bei den sich anschließenden, turnusmäßigen Wahlen zum Vorstand, Beirat und den Delegierten zur Landesvertreterversammlung wurden alle Funktionsträger in ihren Ämtern einstimmig bestätigt.

 

Bericht und Fotos: Jürgen Bommer