Keine Angst vor Hornissen!

von Inge und Wilfried Jacob

Sieben Hornissen töten ein Pferd
oder sieben Pferde eine Hornisse
oder ein Mensch sieben Hornissen...
oder wie war das doch noch?

Hornissen werden vielfach heute noch als gefährlich eingestuft und stoßen oft auf Ablehnung. Daran sind häufig falsche Vorstellungen über Verhaltensweisen der Hornissen und die Wirkung ihrer Stiche schuld. "Sieben Hornissen töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein Kind". Dieser Irrglaube hat sich seit Generationen gehalten und wohl dazu geführt, dass in manchen Gegenden die Hornissen durch gnadenlose Verfolgung leider recht selten geworden sind. In vielen Regionen Mitteleuropas ist die Hornisse mittlerweile sogar vom Aussterben bedroht.

 

Schlechter Ruf - was ist dran?

 

Wir, das sind Wilfried und Inge Jacob, haben es uns zur Aufgabe gemacht, uns für den Schutz und Erhalt von Hornissenvölkern in unserer Region einzusetzen. Bei einer gemeinsamen Umsiedelungsaktion mit dem aus Film und Fernsehen bekannten Hornissenexperten Hans-Heinrich von Hagen konnten wir uns einiges Wissen um die Problematik solcher Aktionen aneignen, auch das Lesen einschlägiger Lektüre brachte wichtige Erkenntnisse.

 

Ein Hornissenvolk in unserem eigenen Garten ermöglichte es uns zusätzlich, das Verhalten der Tiere zu beobachten und uns von ihrer Harmlosigkeit zu überzeugen. Bei behutsamem Annähern (bis auf 2m) und ruhigem Verhalten war es uns immer möglich, den Flug und das rege Treiben der Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, ohne gestochen zu werden, denn Hornissen verteidigen sich nur, wenn sie in unmittelbarer Nähe des Nestes gestört werden. Auch Erschütterungen oder heftige Bewegungen sollten vermieden werden. Grundsätzlich ist zu bemerken, dass Hornissen von ihrer Anlage her nicht angriffslustig sind, im Gegenteil, sie meiden die Nähe der Menschen. Weitere Informationen über die Lebensweise der Tiere erfuhren wir aus verschiedenen Lektüren.

 

Im Laufe der vergangenen Jahre ist es uns schon mehrfach gelungen, ängstliche Bürger, auf deren Grundstück sich ein Hornissenvolk angesiedelt hatte, von der Harmlosigkeit der Tiere zu überzeugen und sie dazu zu bringen, sie einfach zu tolerieren. Darunter befand sich sogar eine Allergikerin gegen Insektengifte.

In diesem Jahr ergaben sich allerdings zwei Situationen, bei denen, um den Erhalt des Volkes zu sichern, Umsiedelungen erforderlich waren. In beiden Fällen befand sich das Nest im Nahbereich einer Tür, die ständig geöffnet werden musste, sodass sich Störungen und Erschütterungen nicht vermeiden ließen, was natürlich zur Beunruhigung der Tiere führte. Um mögliche Angriffe durch die Tiere und somit eine Gefährdung für die Anwohner auszuschließen, entschlossen wir uns, beide Völker umzusiedeln. Diese Aktionen fanden in Übereinstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden statt. In beiden Fällen konnten wir die Betroffenen davon überzeugen, die Tiere auf ihrem Grundstück zu belassen, sie aber an einen weniger brisanten Platz umzusiedeln.

Im ersten Fall, bei einer Familie in Grünenplan, befand sich das Volk in einem Vogelnistkasten neben der Tür zu einer Volière. Da diese Tür mehrmals täglich geöffnet werden musste, und sich ständig Kinder in unmittelbarer Nähe aufhielten, blieb nur noch die Umsiedelung. Hier war es uns möglich, mit Einwilligung des Betroffenen, den Kasten am Hausgiebel des Nachbarn anzubringen. Danach mussten in mühseliger Arbeit die zurückkehrenden Hornissen mit einem Kescher eingefangen und zum neuen Quartier gebracht werden, das von den Tieren glücklicherweise sofort akzeptiert wurde. Bei einer späteren Kontrolle konnten wir feststellen, dass das Nest weiter ausgebaut wurde und das Volk sich vergrößert hatte.

Im zweiten Umsiedelungsfall hatten die Hornissen ein Toilettenhäuschen auf einem Gartengrundstück in Bevern als ihr Heim gewählt. Da sie dort ständigen Störungen und Erschütterungen beim Öffnen der Tür ausgesetzt waren, wurden sie stark beunruhigt und erregt. Auch hier war die einzige Lösung eine Umsiedelung. Dieses Mal wurde es allerdings komplizierter, denn das freihängende Nest mußte von seinem alten Platz entfernt und, angestielt auf Holzstäbchen, mit einer Heißklebepistole in einem von dem Gartenbesitzer angefertigten Holzkasten befestigt werden. Mit einem geliehenen Imkeranzug und einer teilweise abenteuerlichen Verkleidung gelang aber auch diese Umsiedelung, ohne gestochen zu werden. Auch in diesem Fall wurde das neue Domizil, aufgehängt an einem Baum in unmittelbarer Nähe, sofort angenommen und erweitert, und somit hatte sich unser Einsatz für den Erhalt der nützlichen Tiere gelohnt.

Dass Hornissen schützenswert sind, beweist eine Studie, die besagt, dass ein großes Hornissenvolk (ein Volk - ca. 100 - 700 Tiere) an einem Tag bis zu einem halben Kilogramm für den Menschen oft lästige und schädliche Insekten an seine Brut verfüttert. Das entspricht dem Tagesbedarf von 5 - 6 Meisenfamilien.


Darum sind Hornissen unbedingt zu schützen und vor allen Dingen:


Keine Angst vor Hornissen!